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Nach Viagra: Neue Potenzmittel in Österreich  
  Fünf Jahre nach der Markteinführung bekommt die Potenzpille Viagra ernst zu nehmende Konkurrenz. Seit Anfang Februar ist nun auch in Österreich das neue Potenzmittel Cialis erhältlich. Dieses verspricht im Gegensatz zu dem relativ kurz wirksamen Viagra eine bis zu 36 Stunden andauernde Effizienz. Nicht ganz so lang, dafür aber umso schneller, soll die im März auf dem österreichischen Markt erscheinende Pille Levitra wirken.  
Schneller und länger
Sie wirken vielleicht schneller oder länger, der Wirkmechanismus ist aber der selbe. Denn Sildenafil, der Inhaltsstoff von Viagra, Tadalafil, der Wirkstoff von Cialis, und auch Vardenafil, die Substanz in Levitra, sind so genannte Phosphodiesterase 5 -Hemmer. Das bedeutet sie blockieren ein bestimmtes Enzym - nämlich PDE-5 -, das für den Abbau erektionsfördernder Botenstoffe zuständig ist, und sorgen so für ungehinderte Blutzufuhr in den Schwellkörper.
Der kleine Unterschied
Der Unterschied liegt in mehr oder weniger kleinen Veränderungen der ursprünglichen chemischen Formel. Während das "alte" Viagra seine Wirkung spätesten nach acht Stunden verliert, bietet das neue Produkt Cialis eine bis zu 36 Stunden andauernde erektionsfördernde Wirkung.

Levitra hingegen scheint einen "Turbo" eingebaut zu haben, denn es soll schon nach 15 bis 35 Minuten wirksam werden. Viagra erscheint dagegen fast schon aufreizend langsam zu wirken: Die blaue Pille braucht 45 bis 70 Minuten um den "Mann in Bereitschaft zu versetzen".
Nicht nur positive Seiten
"Das größere Zeitfenster ist sicher für den Konsumenten angenehmer. Allerdings muss man auch berücksichtigen, dass dadurch natürlich auch die Dauer der möglichen Nebenwirkungen verlängert wird", meint Eckhard Beubler, vom Institut für experimentelle und klinische Pharmakologie der Universität Graz. "Im schlimmsten Fall bedeutet das 36 Stunden Kopfweh."
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Phosphodiesterase Typ5-Inhibitoren
Bei diesen Substanzen handelt es sich um Inhibitoren der Phosphodiesterase Typ5. Sie hemmen den Abbau von cGMP, das für die Relaxation der glatten Gefäßmuskulatur und der Muskulatur des Corpus cavernosum hauptverantwortlich ist. Sildenafil war der erste PDE-5 Inhibitor. Nebenwirkungen der Substanz Sildenafil sind u.a. Kopfschmerzen, Flush-Symptomatik, Blutdrucksenkung und Verdauungsstörungen.

Cialis (Tadalafil) ist ein weiterentwickelter Phosphodiesterase Typ5-Hemmer mit hoher Selektivität für PDE5. Verändertes Farbsehen trat in den bisherigen Studien nur sehr selten auf. Als Nebenwirkungen, jedoch nur in geringer Ausprägung, sind Kopfschmerzen, Dyspepsie und Rückenschmerzen zu nennen.
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Auch Potenzmittel können überdosiert werden
Leider vergessen die Anwender oft, dass es sich bei diesen potenzfördernden Mitteln um Arzneimittel und keine Aphrodisiaka handelt, die wie jedes andere Medikament auch Neben- und Wechselwirkungen haben und bei Überdosierung ernsthaften Schaden anrichten können.

So verstarb erst kürzlich ein Mann aufgrund der Einnahme von vier Stück Viagra. Diese Überdosierung hatte zu einem tödlichen Blutdruckabfall geführt.
Altbekannte Nebenwirkungen
Die in Frage kommenden Komplikationen sind dieselben geblieben: Kopfschmerz, Beschwerden im gastroenterologischen Bereich und - aufgrund der gefäßerweiternden Wirkung der Medikamente - eine verstärkte Gesichtsrötung. Diese wird aber laut Beubler von den meisten Anwendern kaum als störende Nebenwirkung angesehen.
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Neben- und Wechselwirkungen
PDE-5 Inhibitoren sollten nicht zusammen mit Nitraten und NO-Donatoren eingenommen werden. Da synergistische Effekte nicht ausgeschlossen werden können, kann es zu einem Blutdruckabfall kommen. Phosphodiesterase Typ5-Inhibitoren sind sowohl für Patienten mit psychogener als auch für Patienten mit somatischer erektiler Dysfunktion geeignet.
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Der andere Weg
Die zweite Gruppe der potenzfördernden Medikamente, die so genannten Apomorphin-Tabletten (Uprima und Ixense) bedienen sich eines anderen Wirkmechanismus. Sie entfaltet ihren Effekt an den Rezeptoren für den Nerven-Botenstoff Dopamin.

Dadurch wird jenes Gehirnareal stimuliert, das für die Erektion verantwortlich ist. Diese beiden früher als Brechmittel eingesetzten Mittel sind aber bei den meisten Männern, die an erektiler Dysfunktion leiden, nicht sehr beliebt.
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Apomorphin
Apomorphin stimuliert dopaminerge Rezeptoren im Hypothalamus, die erektionsfördernd wirken. Es wird als Tablette sublingual angewendet, wobei eine erste Wirkung innerhalb von 16 bis 18 Minuten eintreten kann. Häufige Nebenwirkungen sind Schwindel und Synkopen. Als Brechmittel (Emetikum) ist Apomorphin ein seit langem bekanntes Morphinderivat. Eine mögliche unerwünschte Wirkung ist deshalb eine milde bis mäßige Übelkeit.
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Die erektile Dysfunktion
Erektionsstörungen sind eine ernst zu nehmende und häufige Gesundheitsstörung: Ungefähr 50 Prozent der Männer zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr sind davon betroffen. Erektionsstörungen treten oft in Folge von Erkrankungen auf, die im steigenden Alter häufiger sind und nehmen daher im Alter zu.

Organische Ursachen beruhen meistens entweder auf einer Störung der Blutzirkulation im Penis (mangelnde Blutzufuhr oder zu schneller Abfluss) oder auf einer Schädigung der für die Erektion verantwortlichen Nerven.

Eine erektile Dysfunktion kann auch auf eine noch nicht erkannte Krankheit - wie z.B. Diabetes - hinweisen oder ein Symptom für eine psychische Erkrankung wie z. B. eine Depression sein.

Walter Gerischer-Landrock, Ö1-Radiodoktor
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